Abheben, wo drei Gebirgsgruppen aufeinandertreffen
Es gibt Fluggebiete, die beeindrucken. Und es gibt See im Paznaun. Wer hier zum Tandemflug startet, hängt innerhalb von Minuten zwischen drei der bedeutendsten Gebirgsgruppen der Ostalpen – Silvretta, Samnaungruppe und Verwallgruppe – und blickt auf ein Panorama, das selbst erfahrene Piloten nicht gleichgültig lässt. Kein Vorwissen, keine Erfahrung, kein Mut zum Alleingang notwendig: Ein lizenzierter Tandempilot übernimmt alles. Du lehnst dich zurück und lässt das Paznaun auf dich einwirken.
Der Ort "See" liegt am Eingang des Paznauntals, dort, wo das Tal noch weit und offen wirkt, bevor es sich taleinwärts verengt und die Welt der Dreitausender beginnt. Das V-förmige Hochtal wird im Norden von der Verwallgruppe und im Süden von der Samnaungruppe und der Silvretta umgangen – drei Gebirgsgruppen, die sich gegenseitig nicht übertreffen können und die man beim Tandemflug in See auf einmal überblickt. Es ist dieses Panorama, das dieses Fluggebiet von vielen anderen unterscheidet: keine Einzelkulisse, sondern ein vollständiges Bergbild.
Mit der Medrigjochbahn geht es von der Talstation in See – auf 1.056 Metern – bequem hinauf zur Bergstation auf der Medrigalm. Dort, auf 1.850 Metern, liegt der Startplatz: eine offene Almwiese, vor dir das gesamte Tal, hinter dir die Bergrücken der Samnaungruppe. Wenige Schritte Anlauf, der Schirm trägt – und die Welt beginnt zu gleiten.
Das Panorama beim Tandemflug – welche Gipfel du siehst
Furgler (3.004 m) und Rotpleiskopf (2.936 m) – die Samnaungruppe direkt vor dir
Kaum abgehoben, dominiert auf der Südseite des Tals die Samnaungruppe das Bild. Der Furgler mit seinen 3.004 Metern ist der östlichste Dreitausender dieser Gruppe und zieht sofort jeden Blick auf sich – ein massiver, klarer Gipfel mit Gipfelkreuz, der aus der Luft noch wuchtiger wirkt als vom Wanderweg aus. Direkt daneben schließt der Rotpleiskopf (2.936 m) das Panorama nach Südosten ab, ein formschöner Gratberg, eingerahmt vom Blankakopf und der Ascherhütte tief unter seinem Nordhang.
Hoher Riffler (3.167 m) – der Wächter der Verwallgruppe
Auf der gegenüberliegenden Talseite, nach Norden, erhebt sich der Hohe Riffler – mit 3.167 Metern der höchste Gipfel der Verwallgruppe. Er ragt über seine Umgebung so markant empor, dass er selbst bei aufziehendem Föhn noch lange zu erkennen ist. Aus dem Gleitschirm siehst du beide Talseiten gleichzeitig – Verwall im Norden, Samnaungruppe im Süden – ein Blick, den kein Aussichtspunkt am Boden bieten kann.
Fluchthorn (3.399 m) – der Silvrettariese taleinwärts
Wer den Blick taleinwärts richtet, blickt direkt in die Silvretta. Das Fluchthorn, mit 3.399 Metern einer der höchsten Gipfel der gesamten Gruppe und zugleich Grenzpunkt zwischen Österreich und der Schweiz, schließt das Tal in der Ferne ab. An klaren Tagen glänzen seine Gletscher im Sonnenlicht – ein Anblick, der unweigerlich das Gefühl auslöst, über etwas Großes hinwegzufliegen. Denn genau das ist es.
Was der Flug dir zeigt – in 800 Höhenmetern
Vom Start bis zur Landung überbrückt der Tandemflug in See rund 800 Höhenmeter. Diese Differenz ist kein technischer Wert – sie ist ein Erlebnis. Direkt nach dem Abheben zieht die Almlandschaft der Medrigalm unter dem Schirm vorbei: duftende Lärchen und Zirben, im Frühsommer ganze Hänge voller rosa Almrosen. Die Bergstation und die Wanderwege der Medrigalm werden kleiner, das Tal öffnet sich, der Trisannabach zieht sich als silbernes Band durch die Talsohle.
Weiter unten wird das Bild weiter: das Dorf See mit seiner beschaulichen Dorfstruktur, die Silvrettastraße, die sich taleinwärts schlängelt, umrahmende Wälder, die sanft in die Almzone übergehen. An schönen Tagen reicht die Sicht über mehrere Seitentäler hinaus – ein dreidimensionales Kartenbild des westlichen Tirols, das kein Foto und kein Video vollständig einfangen kann.
Die Flugzeit beträgt je nach Thermik und Windverhältnissen zwischen 15 und 30 Minuten. Gestartet wird bei West-, Nord- und Ostwind – das macht See zu einem der wetterlich zuverlässigsten Fluggebiete im gesamten Paznauntal.
Anreise, Treffpunkt und Ablauf
Treffpunkt ist die Talstation der Medrigjochbahn in See (Silvrettastraße 178, 6553 See). Parkplätze sind direkt an der Talstation vorhanden. Von dort fährt die Gondel gemeinsam mit dem Piloten hinauf zur Bergstation auf der Medrigalm. Der Startplatz auf der Almwiese ist unmittelbar nach der Bergstation erreichbar – kein langer Aufstieg, kein Umweg.
Nach der Landung im Ort See sind es drei Minuten zu Fuß zurück zur Talstation. Der gesamte Ablauf – von der Ankunft bis zur Landung – ist so gestaltet, dass er ohne Vorkenntnisse und ohne besondere körperliche Voraussetzungen funktioniert. Eine detaillierte Einweisung durch den Piloten gehört selbstverständlich dazu.
Tandemflug See – für wen ist dieses Fluggebiet ideal?
See im Paznaun ist kein Extremrevier. Es ist ein Fluggebiet, das Erstfliegern ein Maximum an Erlebnis bietet und gleichzeitig Ansprüchen genügt, die auch erfahrene Gleitschirmbegeisterte an ein Gebiet stellen. Die Kombination aus einfachem Zugang per Bergbahn, stabilen Windverhältnissen aus mehreren Richtungen und einem der schönsten Bergpanoramen Westösterreichs macht See zu einem der vielseitigsten Fluggebiete auf der Plattform.
Wer einmal gesehen hat, wie das Paznauntal aus 1.850 Metern Höhe aussieht – mit dem Furgler rechts, dem Hohen Riffler links und dem Fluchthorn am Horizont – versteht, warum hier Menschen immer wieder buchen. Nicht zum ersten Mal. Sondern weil dieses Bild bleibt.
Kein Vorwissen nötig. Nur das Paznaun von oben.