Einsteiger-Guide: Mein erster Tandemflug über Innsbruck
Tanja aus Frankfurt teilt ihre Erfahrung als Einsteiger beim Tandemfliegen in Innsbruck. Erfahre, wie sie ihren ersten Gleitschirmflug über die Nordkette erlebte!

Mein erster Gleitschirmflug über Innsbruck
Es war ein sonniger Septembertag, als ich allein durch die Altstadt von Innsbruck schlenderte. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, das Goldene Dachl anzuschauen und vielleicht noch die Hofburg zu besichtigen. Aber dann sah ich sie – diese bunten Schirme, die wie Schmetterlinge über der Nordkette schwebten. Ich blieb stehen, den Kopf im Nacken, und beobachtete fasziniert, wie sie in der Thermik kreisten.
Als Einsteiger in Sachen Extremsport war ich eigentlich immer eher vorsichtig. In Frankfurt sitze ich den ganzen Tag im Büro, da ist die wildeste Bewegung meist der Sprint zur U-Bahn. Aber irgendwas an diesen schwebenden Menschen dort oben packte mich. Ich zückte mein Smartphone und googelte "Tandemflug Innsbruck". Die erste Seite, die auftauchte, war übersichtlich und machte einen professionellen Eindruck. Nach kurzem Durchscrollen hatte ich meinen Flug auf /fluggebiete/at/tirol/innsbruck/innsbruck-nordkette gebucht – für den nächsten Tag, 10 Uhr morgens.
Die Nacht konnte ich kaum schlafen. Was hatte ich da nur gemacht? Mit meinen 72 Kilo lag ich zwar deutlich unter dem Maximalgewicht von 100 kg, aber trotzdem. Würde ich mich trauen? Was, wenn mir schlecht wird? Tausend Gedanken schwirrten mir durch den Kopf.
Am nächsten Morgen stand ich pünktlich am Treffpunkt. Mein Pilot Thomas begrüßte mich mit einem breiten Grinsen. "Erste Mal?", fragte er, und ich nickte nervös. Er erklärte mir in aller Ruhe, wie alles ablaufen würde, zeigte mir die Ausrüstung und beruhigte mich mit seiner entspannten Art. Mit der Nordkettenbahn fuhren wir hoch zur Seegrube. Je höher wir kamen, desto mulmiger wurde mir. Aber auch die Aussicht wurde immer spektakulärer – das Inntal lag wie eine Miniaturlandschaft unter uns.
Am Startplatz angekommen, half mir Thomas in das Gurtzeug. "Ganz wichtig", sagte er, "beim Start einfach ein paar Schritte laufen, dann heben wir ab. Ganz easy." Easy, dachte ich, während mein Herz bis zum Hals schlug. Der bunte Schirm lag ausgebreitet hinter uns im Gras. Thomas zählte runter: "Drei, zwei, eins – und laufen!"
Ich rannte los, spürte, wie der Schirm sich hinter uns aufbäumte, und plötzlich – wurden meine Schritte leichter. Meine Füße berührten nicht mehr den Boden. Wir flogen! Der erste Moment war surreal. Keine ruckartigen Bewegungen, kein Fallen – nur sanftes Gleiten. Unter mir breitete sich Innsbruck aus wie eine Spielzeugstadt. Die bunten Häuser, die Inn, die sich durchs Tal schlängelte, die Berggipfel ringsum – alles war so friedlich von hier oben.
Thomas zeigte mir die Bergiselschanze, das Stadion, die Universität. Er erklärte mir die Thermik, ließ mich sogar kurz die Steuerleinen halten. Nach anfänglicher Anspannung wurde ich immer entspannter. Der Wind rauschte leise, ansonsten war es erstaunlich still dort oben. Einmal kreiste ein Vogel neben uns – auf Augenhöhe! Das war der Moment, in dem ich begriff, warum Menschen süchtig nach diesem Gefühl werden.
Die Zeit verging wie im Flug – wortwörtlich. Nach etwa 20 Minuten deutete Thomas nach unten: "Gleich landen wir." Die Landung war sanfter als gedacht. Ein paar schnelle Schritte, und schon standen wir wieder auf festem Boden. Meine Knie waren weich wie Pudding, aber ich grinste wie ein Honigkuchenpferd.
Während Thomas den Schirm zusammenpackte, saß ich im Gras und blickte hoch zur Nordkette. Hatte ich das gerade wirklich gemacht? Ich, die sich nicht mal traut, vom Dreimeterbrett zu springen?
Zurück in Frankfurt erzähle ich allen von meinem Flug. Die Kollegen können es kaum glauben – die vorsichtige Tanja ist geflogen! Die Fotos, die Thomas während des Flugs gemacht hat, sind mein neuer Bildschirmhintergrund. Und ich weiß jetzt schon: Das war nicht mein letzter Tandemflug. Beim nächsten Innsbruck-Besuch werde ich wieder abheben. Vielleicht wage ich mich dann sogar an einen längeren Flug. Aber Step by Step – ich bin ja schließlich immer noch Einsteiger.