Mein erster Gleitschirmflug über Innsbruck
Felix aus München hat seinem Tandemflug über Innsbruck erlebt. Einsteiger war er Thema – lies selbst!

Mein erster Gleitschirmflug über Innsbruck
Eigentlich wollte ich nur ein paar Tage ausspannen. München war mir zu hektisch geworden, und Innsbruck schien perfekt für ein langes Wochenende. Am ersten Morgen saß ich im Café Mamma Mia in der Altstadt, trank meinen Cappuccino und blickte zur Nordkette hoch. Die Berge waren so nah, dass ich das Gefühl hatte, sie anfassen zu können. Dann sah ich ihn – einen bunten Punkt am Himmel, der langsam größer wurde. Ein Gleitschirm schwebte direkt über mir, drehte elegante Kreise und landete irgendwo hinter den Häusern.
Ich konnte nicht aufhören, daran zu denken. Während ich durch die Maria-Theresien-Straße schlenderte und mir das Goldene Dachl ansah, kreisten meine Gedanken um diesen schwebenden Menschen. Wie fühlt sich das wohl an? Kann ich das auch machen? Ich hatte noch nie darüber nachgedacht, aber plötzlich war da diese Neugier.
Zurück im Hotel googelte ich auf meinem Smartphone "Tandem Paragliding Innsbruck". Nach ein paar Klicks landete ich auf einer Seite, die sofort mein Interesse weckte. Die Bilder zeigten Menschen, die über das Inntal schwebten, mit der Stadt unter sich. Ich scrollte durch die Informationen – keine Vorkenntnisse nötig, Gewicht bis 100 kg (passt bei meinen 82 kg), und man kann direkt online buchen. Mein Daumen schwebte über dem Buchungsbutton. Sollte ich wirklich?
Zehn Minuten später hatte ich den Flug auf /fluggebiete/at/tirol/innsbruck/innsbruck-nordkette gebucht. Für den nächsten Tag, 11 Uhr. Der Rest des Tages verging wie im Flug. Ich konnte an nichts anderes denken. Beim Abendessen im Stiftskeller musste ich immer wieder nach oben schauen, ob noch Gleitschirme unterwegs waren.
Die Nacht war kurz. Ich wachte mehrmals auf, checkte das Wetter auf dem Handy. Klarer Himmel, leichter Wind – perfekte Bedingungen, stand da. Um halb zehn stand ich am Treffpunkt bei der Talstation der Nordkettenbahn. Mein Pilot Thomas wartete schon auf mich, ein entspannter Typ mit Sonnenbrille und einem breiten Grinsen. "Dein erstes Mal?", fragte er. Ich nickte nervös. "Keine Sorge, das wird super. Ich mache das seit 15 Jahren."
Die Fahrt mit der Seilbahn war surreal. Mit jedem Meter, den wir höher kamen, wurde Innsbruck kleiner. Die bunten Häuser, der Inn, der wie ein silbernes Band durch das Tal floss – alles schrumpfte zu einer Miniaturlandschaft. An der Bergstation angekommen, mussten wir noch ein Stück zu Fuß gehen. Der Startplatz lag auf einer Wiese, und der Ausblick war atemberaubend. Ich konnte das ganze Inntal sehen, die Berge ringsum, und tief unten die Stadt.
Thomas packte den Schirm aus und erklärte mir alles. Gurtzeug anlegen, ein paar Schritte laufen, dann abheben. Es klang so einfach. Mein Herz klopfte wie verrückt. "Wenn ich Los sage, rennst du einfach mit mir", sagte er. "Und hör nicht auf zu laufen, bis wir in der Luft sind."
Der Schirm füllte sich mit Luft, zog uns nach hinten. "Los!" Ich rannte. Drei, vier, fünf Schritte den Hang hinunter, dann spürte ich, wie meine Füße keinen Bodenkontakt mehr hatten. Wir flogen. Einfach so. Kein Ruckeln, kein Fallen – nur sanftes Schweben.
Die ersten Sekunden hielt ich mich krampfhaft am Gurtzeug fest. Dann wagte ich einen Blick nach unten. Die Wiese, von der wir gestartet waren, lag schon hunderte Meter unter uns. Die Nordkettenbahn sah aus wie Spielzeug. Und da war Innsbruck, ausgebreitet wie eine Landkarte. Ich konnte die Altstadt erkennen, die Innbrücke, sogar das Hotel, in dem ich wohnte.
"Schau mal nach links", sagte Thomas. Ein Adler kreiste in unserer Höhe, keine zwanzig Meter entfernt. Für einen Moment flogen wir nebeneinander her, dann drehte der Vogel ab und verschwand. Ich hatte Gänsehaut am ganzen Körper.
Wir flogen Kurven, stiegen in der Thermik höher, glitten über Wälder und Almwiesen. Thomas zeigte mir die Bergiselschanze, das Schloss Ambras in der Ferne, erklärte mir die Gipfel ringsum. Zwanzig Minuten schwebten wir durch die Luft, und es fühlte sich gleichzeitig wie eine Ewigkeit und wie ein Augenblick an.
Der Landeanflug kam viel zu schnell. Wir kreisten über einer Wiese am Stadtrand, wurden langsam tiefer. "Beine nach vorne strecken", sagte Thomas. Der Boden kam näher, näher – und dann setzten wir sanft auf. Ich stand wieder auf festem Grund, aber mein Kopf war noch in den Wolken.
Den Rest des Tages verbrachte ich in einer Art Rausch. Beim Spaziergang durch den Hofgarten schaute ich ständig nach oben, suchte nach Gleitschirmen. Beim Abendessen erzählte ich der Kellnerin von meinem Flug, zeigte ihr die Videos auf meinem Handy. In dieser Nacht schlief ich wie ein Baby und träumte vom Fliegen.
Zurück in München ist das die Geschichte, die ich allen erzähle. Nicht vom Goldenen Dachl oder der schönen Altstadt – obwohl Innsbruck wirklich eine tolle Stadt ist. Nein, ich erzähle von diesen zwanzig Minuten in der Luft, von dem Moment, als meine Füße den Boden verließen, vom Adler, der neben uns flog. Und ich zeige ihnen die Buchungsseite auf meinem Handy. Denn ich weiß: Ich komme wieder. Das nächste Mal vielleicht für einen längeren Flug. Oder ich wage mich an einen Gleitschirmkurs. Wer weiß, vielleicht fliege ich irgendwann alleine über die Nordkette. Der Anfang ist jedenfalls gemacht.