Mein Geburtstagsgeschenk an mich: Tandemfliegen am Spitzingsee
Michael aus Salzburg hat seinem Tandemflug über Spitzingsee erlebt. Geschenk war er Thema – lies selbst!

Mein Geburtstagsgeschenk an mich: Tandemfliegen am Spitzingsee
Eigentlich wollte ich an meinem 45. Geburtstag nur einen ruhigen Wandertag am Spitzingsee verbringen. Als gebürtiger Salzburger kenne ich die bayerischen Alpen wie meine Westentasche, aber der Spitzingsee hatte es mir schon immer angetan. Diese perfekte Mischung aus alpiner Kulisse und dem glitzernden Bergsee – da kann ich einfach die Seele baumeln lassen.
An diesem Septembertag saß ich gerade auf der Terrasse der Oberen Firstalm und genoss meinen Kaiserschmarrn, als über mir ein bunter Gleitschirm seine Kreise zog. Der Pilot schwebte so mühelos über den Stümpfling, dass ich minutenlang wie gebannt nach oben starrte. Wie frei das aussah! Ich konnte sogar sehen, wie der Passagier die Arme ausbreitete und offensichtlich jeden Moment genoss.
Spontan griff ich zu meinem Smartphone und googelte "Tandem Paragliding Spitzingsee". Die erste Seite, die auftauchte, war tandem-paragliding.center. Ich scrollte durch die Bilder und las die Beschreibungen. 20 Minuten Flugzeit, Start vom Stümpfling, professionelle Piloten – das klang genau richtig. Ohne lange zu überlegen habe ich direkt den Flug auf /fluggebiete/de/bayern/rottach-egern/spitzingsee gebucht. Mein Geburtstagsgeschenk an mich selbst, sozusagen.
Zwei Stunden später stand ich am Treffpunkt und mein Herz klopfte wie verrückt. Thomas, mein Pilot, begrüßte mich mit einem breiten Grinsen. "Erste Mal?", fragte er, während er die Ausrüstung checkte. Ich nickte nur stumm. Er erklärte mir in aller Ruhe den Ablauf: ein paar Schritte laufen, dann abheben. Mehr nicht. Das beruhigte mich etwas.
Mit der Bergbahn ging es hinauf zum Stümpfling. Je höher wir kamen, desto spektakulärer wurde die Aussicht. Der Spitzingsee lag wie ein dunkelblaues Juwel eingebettet zwischen den Bergen. Die Herbstsonne ließ die Lärchen golden leuchten. Thomas breitete den Schirm aus, ich schlüpfte in den Gurt. "Denk dran, Michael", sagte er, "wenn ich 'laufen' sage, dann rennst du einfach los. Egal was passiert, einfach weiterlaufen."
Meine Beine fühlten sich an wie Pudding. Der Wind raschelte im Schirm über uns. "Fertig?" Ich atmete tief durch. "Ja!" Und dann kam sein Kommando: "Und... laufen!"
Ich setzte einen Fuß vor den anderen, erst zaghaft, dann schneller. Der Boden wurde steiler, ich rannte den Hang hinunter – und plötzlich trugen meine Füße nicht mehr. Wir hoben ab! Keine ruckartige Bewegung, kein Ruck, nur dieses sanfte Schweben. Meine Füße baumelten in der Luft, unter mir fiel der Hang steil ab.
Die ersten Sekunden vergaß ich zu atmen. Dann brach es aus mir heraus: Ein Jauchzen, das von ganz tief innen kam. Thomas lachte hinter mir. "Geht's dir gut?" Gut? Mir ging es fantastisch!
Wir stiegen höher und höher. Der Spitzingsee wurde kleiner, die Berge ringsum schienen zu wachsen. Ich konnte die Schliersbergalm sehen, den Roßkopf, sogar bis zum Wendelstein reichte der Blick. Die Luft war so klar, dass ich jeden einzelnen Baum erkennen konnte. Ein Bussard kreiste neben uns, keine zehn Meter entfernt.
Thomas zeigte mir, wie ich die Bremsleinen selbst bedienen konnte. Vorsichtig zog ich an der rechten Leine und wir neigten uns sanft zur Seite. Was für ein Gefühl! Ich war Teil dieses Fluges, nicht nur Passagier.
Nach einer Weile traute ich mich, die Hände vom Gurt zu lösen und sie auszubreiten. Der Wind strich über meine Handflächen, ich schloss die Augen und fühlte nur noch: die Sonne auf dem Gesicht, den Wind in den Haaren, diese absolute Freiheit. In 800 Metern Höhe über dem Spitzingsee hatte ich das beste Geburtstagsgeschenk bekommen, das ich mir vorstellen konnte.
Thomas erzählte mir von den Thermikschläuchen, die uns trugen. Warme Luftmassen, die vom sonnenbeschienenen Hang aufstiegen. Wir kreisten darin wie die Vögel, gewannen Höhe, glitten dann wieder hinaus über das Tal. Einmal flogen wir so nah am Stümpfling vorbei, dass ich die Wanderer auf dem Gipfel winken sehen konnte.
Die Zeit verging wie im Flug – wortwörtlich. Als Thomas ankündigte, dass wir zur Landung ansetzen würden, wollte ich es gar nicht glauben. Schon 20 Minuten? Es kam mir vor wie fünf!
Der Landeplatz kam näher. "Beine nach vorne strecken", instruierte mich Thomas. "Und dann aufstehen und ein paar Schritte mitlaufen." Die Wiese kam schnell näher, ich spürte den Fahrtwind stärker werden. Dann ein sanftes Aufsetzen, zwei, drei Schritte – und wir standen.
Meine Knie zitterten, aber ich grinste wie ein Honigkuchenpferd. Thomas klopfte mir auf die Schulter. "Gut gemacht! Wie war's?" Ich suchte nach Worten, fand aber keine, die dem gerecht wurden, was ich gerade erlebt hatte.
Auf der Heimfahrt nach Salzburg musste ich immer wieder an den Flug denken. Diese Perspektive auf den Spitzingsee, die Berge, die ganze Welt – das hatte etwas in mir verändert. Ich fühlte mich leicht, befreit, als hätte ich einen Teil dieser Schwerelosigkeit mit nach unten genommen.
Seitdem sind zwei Monate vergangen. Der Gleitschirmflug war der Startschuss für viele Veränderungen in meinem Leben. Ich habe angefangen, mir öfter etwas zu gönnen, spontaner zu sein, mehr auf mein Bauchgefühl zu hören. Und ich weiß jetzt schon: Zum 46. Geburtstag fahre ich wieder zum Spitzingsee. Der nächste Flug ist quasi schon gebucht – in meinem Kopf zumindest.
Wer hätte gedacht, dass ein zufällig beobachteter Gleitschirm und eine spontane Smartphone-Buchung mein Leben so bereichern würden? Manchmal sind die besten Geschenke die, die man sich selbst macht.