Mein Jungfernflug über Westendorf – Tandemflug mit 48

Katharina (48) erlebt ihren Jungfernflug beim Tandemfliegen Westendorf. Authentischer Erfahrungsbericht über Paragliding in den Kitzbüheler Alpen – inklusive Start und Aufwind.

Tandemflug Westendorf - die Kitzbüheler Alpen

Mein Jungfernflug über Westendorf – Tandemflug mit 48

Ich heiße Katharina, bin 48 und komme aus Hamburg. Eigentlich wollte ich in dieser Woche in Tirol nichts weiter tun als wandern, lesen und morgens einen ordentlichen Kaffee auf dem Balkon trinken. Ich war allein angereist, ganz bewusst, weil ich nach einem anstrengenden Frühjahr einfach mal nur mit mir selbst sein wollte. Dass ich am Ende meinen ersten Tandemflug überhaupt – also tatsächlich meinen Jungfernflug – machen würde, hätte ich am Anreisetag nicht für möglich gehalten.
Angefangen hat alles auf einer Bank oberhalb meiner Pension. Ich saß da mit einem Apfel in der Hand und schaute in den Himmel über dem Brixental, als plötzlich ein gelb-blauer Gleitschirm lautlos über mir vorbeisegelte. Dann noch einer. Und noch einer. Ich blieb sitzen und konnte den Blick gar nicht mehr abwenden. Dieses ruhige, fast schwerelose Gleiten hatte etwas, das mich seltsam berührt hat. Ich zückte mein Handy, tippte „Paragliding Westendorf" in die Suche und landete nach zwei Klicks auf einer Seite, die genau das anbot, was ich gerade am Himmel sah. Ich habe noch auf der Bank, mit dem angebissenen Apfel neben mir, den Flug auf /fluggebiete/at/tirol/westendorf/choralpe-westendorf gebucht. Einfach so. Ohne lange nachzudenken, ohne jemanden zu fragen. Ich glaube, hätte ich nur eine halbe Stunde länger überlegt, hätte ich es nicht getan.

Der Morgen vor meinem ersten Tandemflug

Am nächsten Morgen stand ich am Treffpunkt an der Talstation und war ehrlich gesagt schon nervös, bevor überhaupt jemand da war. Mein Pilot kam pünktlich, stellte sich vor und merkte sofort, dass ich angespannt war. Er hat mich nicht überredet, nicht großgeredet, sondern einfach ruhig erklärt, was gleich passiert. Dass das Maximalgewicht für uns Passagiere bei 100 Kilo liegt, hatte ich vorher auf der Seite gelesen – wir haben kurz darüber gesprochen, er hat den Gurtzeug-Sitz angepasst, und das war es auch schon mit Formalitäten.
Mit der Gondel ging es Richtung Choralpe. Ich saß am Fenster und sah, wie das Brixental unter mir kleiner wurde. Die Wiesen, die einzelnen Höfe, die geschwungenen Wege – alles bekam plötzlich diese Modellbahn-Anmutung, die mir noch oft im Kopf hängen bleiben sollte. Oben angekommen war die Luft kühler, klarer, und der Wind kam in ruhigen Schüben den Hang herauf. Mein Pilot legte den Schirm aus, prüfte die Leinen, erklärte mir nochmal in drei Sätzen, was ich beim Start tun soll: einfach loslaufen, nicht stehenbleiben, nicht hinsetzen. Klingt simpel. Ist es im Kopf aber nicht.

Als der Flug über die Kitzbüheler Alpen begann

Dann ging alles schnell. „Und – los." Drei, vier Schritte den Hang hinunter, der Schirm zog mich nach oben, und plötzlich war kein Boden mehr unter meinen Füßen. Ich habe wirklich kurz gelacht, so ein überraschtes, fast albernes Lachen, weil ich nicht gerechnet hatte, wie sanft dieser Übergang ist. Kein Ruck, kein Fallen. Eher so, als hätte mich jemand vorsichtig hochgehoben.
Was dann kam, lässt sich schwer in Worte fassen, ohne pathetisch zu werden. Ich versuche es trotzdem. Unter mir lag das Brixental in diesem typischen späten Vormittagslicht, die Hänge rund um den [Westendorf](https://tandem-paragliding.center/fluggebiete/at/tirol/westendorf/choralpe-westendorf) waren noch leicht taufeucht und glänzten, und am Horizont staffelten sich die Kitzbüheler Alpen Reihe für Reihe ins Blaue. Mein Pilot hat mir die Gipfel benannt, ruhig, fast wie ein Reiseführer, der weiß, dass man jetzt eigentlich nichts erklären muss. Ich habe nur genickt und geschaut.
Was mich am meisten überrascht hat: dieses Geräusch, oder besser, dieses Nicht-Geräusch. Es war nicht still, der Wind war da, das leichte Knistern der Leinen war da, aber es fehlte dieser ganze Alltagslärm, an den ich mich in Hamburg so gewöhnt habe, dass ich ihn gar nicht mehr bewusst wahrnehme. Erst sein Fehlen hat mir gezeigt, wie laut mein Leben eigentlich ist.
Wir sind ein paar Kurven geflogen, mein Pilot hat gefragt, ob ich mehr will oder lieber ruhig. Ich habe „mehr" gesagt, was mich selbst überrascht hat. Also legte er den Schirm in eine schöne, lange Spiralkurve, und ich spürte diesen leichten Druck im Bauch, der eher angenehm war als beängstigend. Danach ging es wieder ruhig weiter, hinaus über das Tal, und ich habe einfach geschaut. Höfe, eine Kuhherde, ein Wanderweg, auf dem zwei winzige Menschen Richtung Gipfel gingen.

Was nach dem Jungfernflug übrig blieb

Die Landung kam schneller, als mir lieb war. Mein Pilot kündigte sie früh an, sagte, ich solle die Beine nach vorne strecken und ihm einfach folgen. Wir kamen erstaunlich sanft auf, ich machte zwei kleine Schritte, und dann stand ich wieder. Auf einer ganz normalen Wiese in Westendorf. Mit weichen Knien, aber nicht vor Angst, sondern weil mein Kopf noch ein bisschen oben war.
Ich saß danach lange auf einer Bank in der Sonne und habe den Helm neben mich gestellt. Ich glaube, ich habe eine halbe Stunde einfach nur dagesessen und auf den Berg geschaut, von dem ich heruntergeflogen bin. Es war kein großer dramatischer Moment, eher ein leises „Das hast du jetzt wirklich gemacht."
Was ich mitnehme: dass man manchmal nicht warten sollte, bis es einen guten Plan gibt. Dass ein angebissener Apfel, ein Smartphone und ein Gleitschirm am Himmel genug sein können, um an einem ganz normalen Urlaubstag etwas zu tun, das man danach nicht mehr vergisst. Mein Jungfernflug über Westendorf war kein lauter Tag. Er war ein sehr leiser. Und vielleicht ist das genau das, was ich gebraucht habe.
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