Mit Angst vor Höhen zum Tandemflug in Fieberbrunn

Tandemflug Fieberbrunn: Daniel (46) überwindet seine Angst vor Höhen beim Gleitschirmfliegen in den Kitzbüheler Alpen. Authentischer Erfahrungsbericht über Paragliding.

Tandemflug Fieberbrunn - die Kitzbüheler Alpen

Mit Angst vor Höhen zum Tandemflug in Fieberbrunn

Der spontane Entschluss trotz Angst vor Höhen zum Tandemflug

Ich bin Daniel, 46, aus München. Eigentlich hatte ich mir für meinen Solo-Urlaub in Fieberbrunn nur Wanderungen und Mountainbike-Touren vorgenommen. Höhe? Nein danke. Schon auf einem Balkon im dritten Stock wird mir mulmig. Aber dann kam alles anders.
Es war mein zweiter Tag im Pillerseetal. Ich saß gerade bei einem Kaiserschmarrn auf der Terrasse der Wildalm, als über mir ein bunter Gleitschirm seine Kreise zog. So nah, dass ich das Lachen des Passagiers hören konnte. Der Pilot winkte mir zu, und ich winkte automatisch zurück. Merkwürdig - von unten sah das gar nicht beängstigend aus. Fast schwerelos schwebten die beiden über die Bergkämme der Kitzbüheler Alpen.
Noch während ich meinen Kaffee trank, googelte ich auf meinem Smartphone "Tandemflug Fieberbrunn". Die erste Seite, die auftauchte, war tandem-paragliding.center. Ich scrollte durch die Bilder vom Laerchfilzkogel, las die Beschreibungen. Mein Herz klopfte schneller. Was, wenn ich es einfach wage? Bevor mein Verstand eingreifen konnte, hatte ich schon den Flug auf /fluggebiete/at/tirol/fieberbrunn/laerchfilzkogel-in-fieberbrunn gebucht. Für übermorgen, 10 Uhr.
Die nächsten zwei Tage verbrachte ich in einem seltsamen Zustand zwischen Vorfreude und Panik. Nachts träumte ich davon, wie ich abstürze. Tagsüber beobachtete ich jeden Gleitschirm am Himmel und fragte mich, was zur Hölle ich mir dabei gedacht hatte.

Als der Boden beim Flug mit Höhenangst plötzlich weg war

Am Morgen des Flugtages wachte ich um 5 Uhr auf. Frühstücken? Unmöglich. Mein Magen war wie zugeschnürt. Um 9:30 Uhr stand ich am Treffpunkt. Mein Pilot Thomas begrüßte mich mit einem breiten Grinsen. "Erste Mal?", fragte er. Ich nickte stumm. "Keine Sorge, du wirst es lieben", meinte er und begann, die Ausrüstung zu checken.
Die Gondelfahrt zum Startplatz am Laerchfilzkogel war die Hölle. Mit jedem Meter, den wir nach oben fuhren, wurde meine Kehle enger. Ich klammerte mich an die Stange in der Gondel und vermied es, nach unten zu schauen. Thomas plauderte entspannt über das Wetter - "Perfekte Thermik heute, wir werden richtig Höhe machen." Großartig, dachte ich sarkastisch.
Oben angekommen, half mir Thomas in den Gurt. Meine Hände zitterten so sehr, dass ich die Schnallen nicht allein schließen konnte. "Alles okay?", fragte er. "Ich hab ziemliche Höhenangst", gestand ich. Er lächelte. "Das höre ich öfter als du denkst. Vertrau mir einfach."
Der Startplatz war eine geneigte Wiese. Unter uns fiel der Berg steil ab. Ich versuchte, nicht hinzuschauen, aber meine Augen wurden magisch angezogen. Das Pillerseetal lag weit unten, die Häuser sahen aus wie Spielzeug. Mir wurde schwindelig.
"Wir laufen einfach los, wenn ich es sage", erklärte Thomas. "Drei, vier Schritte, dann hebt uns der Schirm. Du musst nichts machen, nur rennen." Der bunte Stoff über uns knisterte im Wind. "Bereit?" Ich nickte, obwohl alles in mir NEIN schrie.
"Und los!"
Ich rannte. Eins, zwei, drei Schritte. Dann spürte ich, wie meine Füße keinen Bodenkontakt mehr hatten. Für einen Moment geriet ich in Panik, ruderte mit den Armen. Aber dann... dann saß ich. Einfach so. In meinem Gurt, wie in einem bequemen Sessel. Der Boden war weg, aber statt Angst fühlte ich... nichts. Keine Panik. Keine Übelkeit. Nur Stille.

Was vom Tandemflug mit Höhenfurcht wirklich blieb

Die nächsten 25 Minuten kann ich schwer beschreiben. Wir glitten lautlos über die Gipfel der Kitzbüheler Alpen. Thomas zeigte mir das Kitzbüheler Horn, den Wilden Kaiser in der Ferne. Ich nickte und schaute. Wirklich schaute. Nach unten, zur Seite, überall hin. Die Angst war wie weggeblasen.
"Willst du mal steuern?", fragte Thomas irgendwann. Er gab mir die Bremsleinen in die Hand. "Zieh mal rechts." Ich zog vorsichtig, und wir kurvten sanft nach rechts. Ein Grinsen breitete sich auf meinem Gesicht aus. ICH steuerte dieses Ding! Ich, der Typ, der auf Leitern Schweißausbrüche bekommt!
Wir kreisten mit einem Steinadler in derselben Thermik. Der majestätische Vogel flog keine zehn Meter neben uns, musterte uns kurz und zog dann weiter. In diesem Moment begriff ich: Hier oben ist Höhe keine Bedrohung. Sie ist Freiheit.
Die Landung kam viel zu schnell. Thomas dirigierte uns zielsicher zur Landewiese. "Beine nach vorn, wenn ich es sage", instruierte er mich. Der Boden kam näher, aber selbst jetzt fühlte ich keine Angst. "Beine vor... und aufstehen!" Zwei, drei Schritte, und wir standen. Einfach so.
Ich drehte mich um und schaute zum Laerchfilzkogel hinauf, von wo wir gestartet waren. Hatte ich das wirklich gerade gemacht? Thomas klopfte mir auf die Schulter. "Und, wie war's für jemanden mit Höhenangst?" Ich konnte nur grinsen.
Seitdem sind drei Wochen vergangen. Ich sitze wieder in München in meinem Büro im siebten Stock. Früher habe ich nie aus dem Fenster geschaut. Jetzt stehe ich manchmal dort und denke an diesen Moment, als meine Füße den Boden verließen. Die Höhenangst ist nicht weg - auf Leitern fühle ich mich immer noch unwohl. Aber sie definiert mich nicht mehr.
Nächsten Sommer fahre ich wieder nach Fieberbrunn. Der Flug ist schon gebucht. Diesmal ohne Kaiserschmarrn zum Frühstück.
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