Tandemflug Chamonix: Meine Dokumentation vom Mont Blanc
Erfahrungsbericht: Thomas (37) dokumentiert seinen Tandemflug in Chamonix. Paragliding am Mont Blanc – ein Flug, der bleibt. Jetzt lesen auf tandem-paragliding.center.

Tandemflug Chamonix: Meine Dokumentation vom Mont Blanc
Ich sitze seit drei Tagen in Chamonix und mache das, was ich auf Reisen immer mache: fotografieren, filmen, jeden Moment in irgendeiner Form festhalten. Ich bin Thomas, 37, aus Wien, und wer mich kennt, weiß, dass ich ohne Kamera kaum aus der Wohnung gehe. Diesmal war es aber nicht meine eigene Linse, die mich auf eine Idee gebracht hat, sondern der Blick nach oben.
Ich saß auf einer Bank am Rand des Ortes, Kaffee in der Hand, und beobachtete, wie ein bunter Gleitschirm lautlos über die Dächer segelte, in Richtung der Felswände über dem Tal. Kein Motor, kein Lärm, nur dieses Schweben. Ich hab sofort mein Handy gezückt, aber nicht um zu filmen, sondern um zu googeln. „Tandemflug Chamonix" hab ich eingetippt, halb aus Neugier, halb weil ich wissen wollte, ob das etwas ist, das man einfach so buchen kann, auch als Alleinreisender ohne große Vorbereitung.
Ein paar Klicks später war ich auf der Seite von tandem-paragliding.center gelandet. Fotos vom Mont-Blanc-Massiv, Infos zu Startplätzen, ein Buchungsformular, das tatsächlich in unter fünf Minuten ausgefüllt war. Ich hab noch kurz überlegt, ob ich das wirklich allein machen will, ohne dass jemand daneben steht und sagt „mach doch, trau dich" – aber genau das war für mich der Reiz. Ich hab den Flug auf /fluggebiete/fr/haute-savoie/chamonix/le-brevent-planpraz-am-montblanc gebucht, direkt vom Handy aus, noch auf derselben Bank sitzend, auf der ich den Schirm beobachtet hatte.
Der Moment vor dem Tandemflug
Am nächsten Morgen stand ich am Treffpunkt, ein bisschen früher als nötig, weil ich nicht wusste, wie viel Zeit die Vorbereitung braucht. Mein Pilot, ein Franzose mit ruhiger Stimme und trockenem Humor, hat mich gewogen – ich lag knapp unter der Grenze von 100 Kilo, was er mit einem Lächeln quittierte, als hätte er das schon hundertmal erlebt. Dann ging es mit der Bahn hinauf zum Startplatz oberhalb von Chamonix, und je höher wir kamen, desto stiller wurde ich.
Ich hatte meine kleine Actionkamera am Gurt befestigt, wollte diesen Flug dokumentieren, jede Sekunde, jeden Blick. Aber als ich am Startplatz stand und zum ersten Mal wirklich sah, wie nah die Gletscher des Mont-Blanc-Massivs plötzlich wirkten, wie die Felswände sich auftürmten und das Tal so tief unter uns lag, hab ich für einen Moment vergessen, dass ich überhaupt eine Kamera dabei hatte. Der Pilot schnallte mich an, checkte die Leinen, gab kurze, klare Anweisungen. Ich hörte meinen eigenen Puls lauter als seine Worte.
Als der Boden unter dem Flug verschwand
Der Start war kein großer Sprung, eher ein paar schnelle Schritte, dann trug uns die Luft. Ich erinnere mich, wie ich instinktiv nach unten geschaut habe, weil mein Körper nicht glauben wollte, dass da plötzlich nichts mehr war, kein Halt, kein Boden. Stattdessen: dieser Ausblick auf das Mont-Blanc-Massiv, weiß und massiv und viel näher, als ich es mir vorgestellt hatte.
Wir zogen einen weiten Bogen über die Baumgrenze hinaus, und ich konnte die Gletscherzungen erkennen, die sich wie graue Adern durch das Weiß zogen. Der Pilot erklärte mir, welcher Gipfel welcher war, und irgendwann hab ich aufgehört, mir die Namen zu merken, weil das Bild selbst genug war. Meine Kamera lief die ganze Zeit, aber ich hab gemerkt, dass ich immer wieder vergaß, draufzuschauen, ob sie überhaupt noch aufnimmt. Ich wollte einfach nur schauen.
Zwischendurch drehte der Pilot ein paar engere Kurven, ließ die Thermik spielen, und mein Magen meldete sich kurz, aber nicht unangenehm, eher wie dieses Kribbeln, das man von Achterbahnen kennt, nur gestreckt über Minuten statt Sekunden. Die französischen Alpen unter uns wirkten von hier oben wie ein Modell, kleine Chalets, Straßen, die sich durch das Tal schlängelten, und über allem thronte der Mont Blanc, unbeeindruckt von uns beiden kleinen Punkten in der Luft.
Was mir vom Tandemflug als Dokumentation blieb
Die Landung kam mir schneller vor als der ganze Flug davor. Wir setzten sanft auf einer Wiese am Talboden auf, meine Beine liefen automatisch die letzten Schritte mit, und dann stand ich einfach da, den Helm noch auf dem Kopf, und lachte, ohne genau zu wissen warum. Der Pilot klopfte mir auf die Schulter, meinte nur, das sei ein guter Tag gewesen, ruhige Luft, klare Sicht.
Als ich abends im Hotelzimmer die Aufnahmen durchgesehen habe, wurde mir klar, dass die Kamera zwar alles eingefangen hatte, aber nicht das, was ich eigentlich mitgenommen habe. Die Bilder zeigen den Mont Blanc, die Gletscher, mein eigenes Gesicht, das zwischen Anspannung und Staunen wechselt. Was sie nicht zeigen, ist dieses Gefühl, komplett allein in der Luft zu hängen, ohne dass irgendjemand neben mir sitzt und dasselbe erlebt, und trotzdem nie einsam zu sein, weil die Landschaft einen so vollständig ausfüllt.
Ich bin oft gefragt worden, wie man einen Ort wie Chamonix dokumentieren soll, wenn Fotos vom Boden aus einfach nicht das Gefühl der Höhe transportieren. Meine Antwort ist inzwischen simpel: man muss selbst hoch. Der Flug beim Chamonix hat mir mehr über das Mont-Blanc-Massiv gezeigt als jede Wanderung, die ich in den Tagen davor unternommen hatte, und ich sitze jetzt wieder auf derselben Bank, schaue nach oben und überlege ernsthaft, ob ich es nicht gleich noch einmal buchen soll.