Tandemflug Ellmau: Pilot Georg über dem Kaisergebirge
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Tandemflug Ellmau: Mein Pilot über dem Kaisergebirge
Ich war Anfang September für ein paar Tage allein in Tirol unterwegs, eigentlich nur um dem Frankfurter Bürolärm zu entkommen und ein bisschen zu wandern. Von meinem Balkon in Ellmau aus hatte ich freie Sicht auf das Kaisergebirge, diese schroffen Felswände, die sich fast senkrecht aus dem Tal erheben. Am zweiten Tag saß ich morgens mit einem Kaffee draußen, als ich über mir etwas Buntes entdeckte, das lautlos über den Grat glitt. Ein Gleitschirm. Zwei Menschen darunter, offensichtlich Pilot und Passagier, die einfach so durch die Luft trieben, während ich noch meinen Kaffee trank.
Ich habe mein Handy gezückt und "Tandemfliegen Ellmau" gegoogelt, mehr aus Neugier als mit einem echten Plan. Die Seite tandem-paragliding.center kam ziemlich weit oben, und ich habe mich durch die Fotos geklickt, mit Blick über den Wilder Kaiser hinweg, während unten die kleinen Dörfer wie Söll am Hartkaiser lagen. Zehn Minuten später hatte ich einen Termin für den nächsten Nachmittag gebucht, direkt vom Balkon aus, noch im T-Shirt. Ich habe damals kurz überlegt, ob mein Gewicht überhaupt passt, denn ich hatte irgendwo gelesen, dass es eine Obergrenze von 100 Kilogramm für Tandempassagiere gibt. Bei mir war das kein Problem, aber ich habe trotzdem noch mal in der Buchungsbestätigung nachgeschaut, um sicherzugehen.
Der Moment vor dem Tandemflug
Am nächsten Tag bin ich zum vereinbarten Treffpunkt gefahren, den Flug hatte ich auf /fluggebiete/at/tirol/ellmau/ellmau-am-hartkaiser gebucht, direkt am Fuß des Hartkaisers. Mein Pilot hieß Georg, ein ruhiger Typ mit Sonnenbrille und einer Gelassenheit, die sich sofort auf mich übertragen hat. Er hat mir kurz erklärt, wie der Gurt sitzt, was beim Start passiert und dass ich einfach laufen soll, bis der Boden von selbst verschwindet. Ich war nervöser, als ich zugeben wollte, aber er hat das offenbar an jedem Gast schon hundertmal gesehen und blieb völlig entspannt dabei.
Wir sind mit der Gondel hoch zur Wilder Kaiser Arena gefahren, und dort oben, auf der Startwiese, hat sich alles noch mal verändert. Der Wind kam in kleinen Böen, Georg hat den Schirm ausgelegt, kontrolliert, wieder eingezogen, auf das richtige Fenster gewartet. Ich habe in dieser Zeit einfach nur auf das Kaisergebirge gestarrt, diese Wand aus Fels, die von hier oben noch imposanter wirkte als von meinem Balkon aus. Es gab diesen einen Moment, kurz bevor er "jetzt" gesagt hat, in dem ich merkte, wie mein Puls anzog, ohne dass ich groß Angst hatte. Eher dieses Kribbeln, das man vielleicht kurz vor einer Prüfung kennt, deren Ausgang man nicht ganz in der Hand hat.
Als der Boden unter mir wegkippte
Dann sind wir gelaufen. Drei, vier Schritte, mehr nicht, und der Boden war einfach weg. Kein Ruckeln, kein hartes Abheben, wie ich es mir vorgestellt hatte, sondern eher ein sanftes Wegkippen der Wiese unter meinen Füßen. Georg hat sofort in die erste Thermik gelenkt, und wir sind gestiegen, ohne dass ich es richtig gemerkt habe, außer dass die Häuser von Ellmau plötzlich winzig aussahen.
Von oben hat sich das ganze Tal aufgefaltet wie eine Landkarte. Ich konnte den Wilder Kaiser mit seinen Zacken sehen, die Almwiesen um Söll, die kleinen Straßen, auf denen ich tags zuvor noch gefahren war. Georg hat kaum gesprochen, nur ab und zu kurz erklärt, wohin wir als Nächstes fliegen, und mich sonst einfach schauen lassen. Irgendwann hat er den Schirm in eine sanfte Kurve gelegt, und für einen Moment hing ich quasi seitlich in der Luft, mit freiem Blick direkt auf die Felswände des Kaisergebirges. Das war der Moment, in dem ich innerlich aufgehört habe, über irgendetwas nachzudenken. Kein Job, keine To-do-Liste, nur das Rauschen des Windes und dieses merkwürdig ruhige Gefühl, von einem Fremden durch die Luft getragen zu werden, dem ich mein volles Vertrauen geschenkt hatte, ohne ihn vorher wirklich zu kennen.
Die Landung kam schneller als gedacht. Georg hat den Schirm auf einer Wiese unterhalb des Starts angesetzt, wir sind sanft aufgesetzt, zwei, drei Schritte gelaufen, und das war's schon. Ich stand wieder auf festem Boden, aber irgendwie fühlte sich der noch weicher an als vorher.
Was von diesem Flug blieb
Im Nachhinein war es weniger der Adrenalinkick, den ich erwartet hatte, sondern eher diese Ruhe da oben, die mich am meisten beeindruckt hat. Georg hat mir danach noch erzählt, wie lange er schon in dieser Gegend fliegt, welche Routen bei welchem Wind funktionieren und warum das Kaisergebirge für ihn immer noch die schönste Kulisse der Alpen ist, obwohl er sie fast täglich sieht. Das hat mich überrascht, dass so ein erfahrener Pilot nach all den Jahren immer noch mit echter Begeisterung davon spricht.
Ich bin an diesem Abend noch lange auf meinem Balkon gesessen und habe zum Kaisergebirge hochgeschaut, diesmal mit einem ganz anderen Blick. Ich wusste jetzt, wie es sich anfühlt, über diese Felsen zu schweben, und wenn ich das nächste Mal irgendwo einen Gleitschirm am Himmel sehe, werde ich wohl wieder kurz innehalten und mich fragen, wer da gerade oben ist und was er von dort oben sieht.