Tandemflug Engelberg: Mein Familienausflug zur Fürenalp

Tandemflug Engelberg: Katharina (38) berichtet von ihrem Familienausflug zur Fürenalp. Paragliding über Engelberg – authentischer Erfahrungsbericht über Gleitschirmfliegen und Aufwinde.

Tandemflug Engelberg - der Engelberg

Tandemflug Engelberg: Mein Familienausflug zur Fürenalp

Eigentlich war dieser Familienausflug gar nicht meiner. Meine Schwester hatte mit ihrem Mann und den Kindern eine Woche in Engelberg gebucht – Wanderwoche, Käsereibesuch, Klettersteig für die Großen. Ich war eingeladen, hatte aber kurzfristig abgesagt, weil mir eine Woche Kinderprogramm nach einem stressigen Frühjahr nicht das Richtige schien. Dann sagte meine Schwester drei Tage vor Reisebeginn: "Komm halt trotzdem, mach dein eigenes Ding, wir sehen uns abends." Und plötzlich saß ich, Katharina, 38, im Zug von Wien Richtung Luzern, mit einem Rucksack, einem ziemlich unentschlossenen Plan und der Idee, einfach mal nichts zu müssen.
In Engelberg bezog ich ein kleines Zimmer in einer Pension am Ortsrand, während meine Schwester mit ihrer Familie ein paar Häuser weiter im Hotel war. Wir hatten ausgemacht, dass ich tagsüber tue, was ich will, und abends zum Essen dazukomme. Am zweiten Morgen saß ich auf der Bank vor der Pension, trank einen Kaffee aus einem viel zu großen Becher, und schaute in den Himmel. Da war dieser bunte Punkt, der langsam über die Bergflanke segelte. Dann noch einer. Und noch einer. Gleitschirme. Ich hatte sie vorher nie wirklich beachtet, aber an diesem Morgen konnte ich nicht aufhören hinzusehen.
Ich zückte mein Handy, tippte "Tandemflug Engelberg" ein und landete auf einer Seite, die mir sofort sympathisch war, weil sie nicht überladen war. Ich scrollte durch die Beschreibung des Fluggebiets [Engelberg](https://tandem-paragliding.center/fluggebiete/ch/obwalden/engelberg/fuerenalp-bei-obwalden-und-engelberg), las über die Fürenalp, über den Blick auf den Titlis und die umliegenden Gipfel. Dann sah ich den Hinweis, dass das Maximalgewicht für Passagiere bei 100 Kilo liegt – ein Detail, das mir vorher nie in den Sinn gekommen wäre, aber irgendwie beruhigend ehrlich klang. Bevor ich es mir anders überlegen konnte, hatte ich den Flug auf /fluggebiete/ch/obwalden/engelberg/fuerenalp-bei-obwalden-und-engelberg gebucht. Direkt vom Smartphone, mit Kaffeefleck auf dem Display. Termin: derselbe Nachmittag.

Der Moment vor dem Tandemflug

Ich wurde am Talstation-Treffpunkt abgeholt. Mein Pilot – ein ruhiger Typ, der seit über fünfzehn Jahren fliegt – fragte mich, ob ich nervös sei. Ich sagte: "Nur ein bisschen." Er lachte und meinte, das sei genau die richtige Dosis. Wir fuhren mit der Seilbahn zur Fürenalp hoch, und schon während der Fahrt merkte ich, wie sich der Boden unter mir auf eine Weise veränderte, die ich nicht erwartet hatte. Die Wiesen wurden steiler, die Felsen näher, und Engelberg unten im Tal sah plötzlich aus wie eine Modelleisenbahn-Landschaft.
Oben angekommen breitete mein Pilot den Schirm aus. Er erklärte mir die wenigen Dinge, die ich tun sollte: drei, vier schnelle Schritte nach vorne, nicht stehen bleiben, nicht hinsetzen, bis er es sagt. Während er den Schirm prüfte, schaute ich zum ersten Mal richtig in die Runde. Im Süden der Titlis, im Norden konnte ich am Horizont sogar ein Stück vom Vierwaldstättersee erahnen, dieses tiefblaue Band, das sich durch die Zentralschweiz zieht. Engelberg selbst lag mit seinem Klosterturm im Tal, kompakt und überschaubar, und ich dachte: Meine Schwester ist jetzt wahrscheinlich gerade mit den Kindern bei der Schaukäserei und hat keine Ahnung, was ich hier oben mache.

Als der Flug begann

Dann ging alles schnell. "Lauf", sagte mein Pilot. Ich lief. Drei Schritte, vier, ein kurzer Ruck am Gurtzeug, und dann – nichts mehr unter den Füßen. Kein Sprung, kein Abheben im klassischen Sinn. Eher ein langsames Wegrutschen des Bodens, als würde jemand die Erde unter mir vorsichtig wegziehen. Ich hörte mich selbst lachen, irgendwie überrascht.
Die ersten Sekunden waren laut – Wind im Schirm, das Rauschen in den Ohren. Dann wurde es ruhiger, fast still. Mein Pilot fragte, ob ich gut sitze, ob die Gurte drücken. Sie drückten nicht. Es war eigentlich erstaunlich bequem, fast wie ein Hängestuhl, der durch die Luft schwebt. Wir drehten eine erste, weite Kurve, und ich sah die Fürenalp von oben, sah die kleinen Punkte, die andere Wanderer waren, sah die Felskante, von der wir gerade gestartet waren.
Was mich am meisten überraschte, war, wie viel Zeit man hat, einfach nur zu schauen. Ich hatte gedacht, ein Flug von zehn, fünfzehn Minuten geht vorbei wie nichts. Aber jede Minute fühlte sich an wie eine eigene kleine Etappe. Wir flogen über grüne Almen, an einem Wasserfall vorbei, dessen Gischt ich von oben sehen konnte. Mein Pilot zeigte mir die Berge der Umgebung, nannte ein paar Namen, die ich mir nicht alle merkte. Ich war zu beschäftigt damit, mir das Bild einzuprägen.
Irgendwann fragte er, ob ich ein paar etwas dynamischere Kurven wolle. Ich sagte ja, ohne lange nachzudenken. Wir lehnten uns in eine Spirale, ich spürte den Druck im Bauch, und gleichzeitig grinste ich so breit, dass mir die Wangen weh taten. Danach flogen wir wieder ruhig, in langen Schleifen Richtung Tal.

Was vom Flug blieb

Die Landung war sanfter, als ich erwartet hatte. Mein Pilot sagte: "Jetzt Beine raus, locker auflaufen." Ich machte zwei Schritte, und stand wieder auf festem Boden. Es fühlte sich seltsam an, plötzlich wieder Gewicht zu haben.
Abends saß ich mit meiner Schwester, ihrem Mann und den Kindern beim Abendessen. Sie erzählten von der Käserei, von einem verlorenen Wanderschuh, von einer Eidechse, die der Kleine gefunden hatte. Ich zeigte ihnen die Fotos vom Flug. Mein Neffe schaute mich an, als wäre ich eine andere Person geworden. "Das hast *du* gemacht?", fragte er. Ja, sagte ich. Das habe ich gemacht.
Und ich glaube, das war der Punkt, an dem dieser Familienausflug, der gar nicht meiner war, doch noch zu meinem wurde.
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