Tandemflug Fügen: Mein Kurzurlaub über dem Zillertal
Tandemflug Fügen, Österreich: Sebastian (34) erlebt einen unvergesslichen Kurzurlaub mit Gleitschirmflug über dem Spieljoch. Authentischer Erfahrungsbericht über Paragliding im Zillertal.

Tandemflug Fügen: Mein Kurzurlaub über dem Zillertal
Eigentlich wollte ich nur ein paar Tage raus aus Zürich. Kein Plan, keine Agenda, einfach das Auto packen und ins Zillertal fahren, weil mir ein Kollege mal vorgeschwärmt hatte, wie grün es dort im Frühsommer ist. Mehr als eine Wanderkarte und ein Zimmer für drei Nächte hatte ich nicht organisiert. Dass aus diesem spontanen Kurzurlaub am Ende ein Nachmittag in der Luft werden würde, hätte ich mir am ersten Tag noch nicht träumen lassen.
Ich saß auf einer Bank oberhalb von Fügen, hatte gerade eine Käsejause verdrückt und den Blick auf die Zillertaler Alpen genossen, als am Himmel plötzlich ein bunter Schirm auftauchte. Kein Motorengeräusch, nur dieses leise Rauschen des Windes im Tuch, und der Pilot zog seine Kreise, als hätte er alle Zeit der Welt. Ich habe eine ganze Weile einfach nur zugeschaut. Dann kam die Neugier, wie sie eben kommt, wenn man allein unterwegs ist und niemanden hat, der einen fragt, was das jetzt soll.
Ich hab mein Handy gezückt, „Tandemflug Fügen" eingetippt und bin ziemlich schnell auf die Seite von Tandem Paragliding Center gestoßen. Fotos vom Start, kurze Erklärung zum Fluggebiet, ein Buchungsformular, das tatsächlich funktionierte, ohne dass ich irgendwo anrufen musste. Zehn Minuten später hatte ich einen Termin für den nächsten Nachmittag gebucht, direkt über /fluggebiete/at/tirol/fuegen/fuegen-spieljoch, und mein Kurzurlaub hatte auf einmal einen Höhepunkt, den ich nicht geplant hatte.
Der Tandemflug als spontaner Kurzurlaub-Impuls
Am nächsten Tag stand ich also wieder da, wo ich tags zuvor nur zugeschaut hatte. Der Treffpunkt war unkompliziert, mein Pilot hieß Flo, groß, ruhig, mit dieser Gelassenheit, die man wahrscheinlich braucht, wenn man mehrmals täglich mit fremden Leuten in die Luft geht. Er hat mich erst mal auf die Waage gestellt, das Maximalgewicht für Tandempassagiere liegt bei 100 Kilo, und ich war froh, dass ich da locker drunter lag. Dann kam der Gurt, das Anlegen, die kurze Einweisung: Anlaufen, nicht stehen bleiben, sitzen lassen, wenn die Beine den Boden verlieren.
Wir sind mit der Bahn hoch zum Spieljoch gefahren, und schon die Auffahrt war für sich genommen sehenswert. Von oben hat man einen Blick über das ganze Zillertal, der einem fast den Atem nimmt, bevor überhaupt geflogen wird. Ich hab mich gefragt, warum ich nicht schon früher mal hier war. Am Startplatz selbst war es windstill genug, dass Flo meinte, es sei ein guter Tag, ruhige Bedingungen, kein böiger Aufwind, der einen durchschütteln würde. Das hat mich beruhigt, denn ganz ohne Nervosität war ich nicht.
Als der Boden beim Tandemflug über Fügen verschwand
Der Start selbst ging schneller, als ich dachte. Ein paar Schritte, der Schirm füllte sich über uns, und dann war da dieser Moment, in dem die Füße einfach keinen Halt mehr fanden. Kein Ruck, kein Fallen, eher ein Hinaustragen, als würde einen jemand sanft anheben. Ich hab noch kurz nach hinten geschaut, wo eben noch der Startplatz war, und dann war da nur noch Luft unter mir.
Das Zillertal hat sich unter uns ausgebreitet wie eine Landkarte, die man live beim Entstehen beobachtet. Die Häuser von Fügen wurden kleiner, die Wiesen bekamen diese satte Farbe, die man von oben viel deutlicher sieht als von unten. Flo hat ein paar Mal die Thermik genutzt, wir sind in engen Kurven gestiegen, dort, wo warme Luft aufsteigt und einen Schirm mühelos höher trägt. Bei einer dieser Drehungen kippte der Horizont zur Seite, und ich hab kurz gelacht, weil sich das komisch und gleichzeitig völlig richtig angefühlt hat.
Wir sind eine Weile einfach nur geflogen, ohne viel zu reden. Flo hat mir zwischendurch ein paar Gipfel gezeigt, die Zillertaler Alpen ziehen sich hier in dieser Wucht nach Süden, dass man gar nicht alles auf einmal erfassen kann. Ich hab an nichts Bestimmtes gedacht, was für mich schon eine Seltenheit ist. Meistens läuft im Kopf irgendeine Liste mit, an diesem Nachmittag war die Liste einfach leer.
Was der Flug von meinem Kurzurlaub übrig ließ
Die Landung kam sanfter, als ich erwartet hatte. Flo hat den Schirm auf der letzten Strecke etwas abgebremst, wir sind über die Wiese im Talboden geglitten, und dann standen meine Füße wieder auf dem Boden, so unspektakulär, wie sie ihn Minuten zuvor verlassen hatten. Ich bin noch eine Weile stehen geblieben und hab in den Himmel geschaut, aus dem ich gerade gekommen war.
Was von diesem Tag geblieben ist, hat weniger mit dem Adrenalin zu tun als mit dieser Ruhe während des Fluges. Ich war eigentlich nur wegen eines Zufallsblicks in den Himmel dazu gekommen, und am Ende war genau das der Teil meines Kurzurlaubs, an den ich mich am längsten erinnern werde. Am Abend bin ich noch mal zurück zum Spieljoch gefahren, diesmal nur zu Fuß bis zur Aussichtsplattform, und hab mir von unten angeschaut, wo ich Stunden zuvor gestartet war. Fügen in Tirol hatte sich für mich in einem Nachmittag von einem Punkt auf der Karte in einen Ort verwandelt, an den ich wiederkomme, wenn ich das nächste Mal spontan die Koffer packe.