Tandemflug Fulpmes: Meine erste Vogelperspektive im Stubaital
Tandemflug Fulpmes: Anna (28) erlebt ihre erste Vogelperspektive übers Stubaital. Echter Erfahrungsbericht über Paragliding Fulpmes mit Gleitschirm – Jetzt lesen!

Tandemflug Fulpmes: Meine erste Vogelperspektive
Ich wohne schon seit Jahren in Innsbruck, aber was ich letzten Mittwoch am Himmel über Fulpmes gesehen habe, hat mich komplett umgehauen. Da schwebte ein bunter Gleitschirm über dem Stubaital – so ruhig und friedlich, als würde er zur Landschaft gehören. Ich stand gerade am Parkplatz der Schlick 2000 und konnte meinen Blick nicht abwenden. Wie muss sich das anfühlen, die Welt von dort oben zu sehen?
Der spontane Entschluss zum Tandemflug
Noch während ich dem Schirm nachschaute, zückte ich mein Handy. "Tandemflug Fulpmes" tippte ich bei Google ein. Die erste Seite, die aufpoppte, zeigte genau das, was ich gerade am Himmel beobachtet hatte. Ich scrollte durch die Bilder – Menschen, die mit strahlenden Gesichtern in der Luft hingen, die Stubaier Alpen unter ihnen ausgebreitet wie eine riesige Landkarte. Mein Herz klopfte schneller.
Innerhalb von fünf Minuten hatte ich meinen Flug auf /fluggebiete/at/tirol/fulpmes/kreuzjoch---schlick-2000 gebucht. Für übermorgen, 10 Uhr. Einfach so. Ich, die normalerweise alles dreimal durchdenkt, hatte gerade spontan beschlossen, mich an einem Stück Stoff in die Luft zu hängen.
Die zwei Tage bis zum Termin vergingen wie im Flug (ja, ich weiß, blödes Wortspiel). Ich schlief schlecht, träumte von Abstürzen und gleichzeitig von diesem Gefühl der Freiheit, das ich bei dem Gleitschirm gespürt hatte. Am Morgen des Flugtages wachte ich um 5 Uhr auf. Frühstück? Unmöglich. Mein Magen spielte verrückt.
Als sich die Vogelperspektive vor mir öffnete
Um 9:45 Uhr stand ich am Treffpunkt. Mein Pilot Thomas begrüßte mich mit einem entspannten Lächeln. "Erste Mal?", fragte er. Ich nickte stumm. Er erklärte mir alles: den Gurt, die Startposition, dass ich einfach ein paar Schritte laufen und dann die Beine anziehen sollte. Es klang so einfach.
Mit der Gondel fuhren wir hoch zum Kreuzjoch. Je höher wir kamen, desto mulmiger wurde mir. 2.136 Meter Seehöhe. Die anderen Fahrgäste unterhielten sich über ihre Wanderpläne, ich starrte nur aus dem Fenster und fragte mich, ob ich noch ganz bei Trost war.
Oben angekommen, half mir Thomas in den Gurt. Der Schirm lag hinter uns ausgebreitet im Gras – ein riesiges rotes Tuch mit weißen Streifen. "Maximal 100 Kilo darfst du wiegen", meinte er grinsend, während er die Gurte checkte. "Mit deinen geschätzten 60 Kilo bist du perfekt."
Dann ging alles ganz schnell. "Laufen!", rief Thomas. Ich rannte los, spürte, wie sich der Schirm hinter uns aufbäumte. Drei, vier Schritte den Hang hinunter – und plötzlich trugen meine Füße nicht mehr. Der Boden kippte weg, fiel unter mir ab, wurde kleiner und kleiner.
Ich schrie. Nicht vor Angst – vor purem Erstaunen. Da lag das Stubaital unter mir, als hätte jemand eine Miniaturlandschaft hingebaut. Die Häuser von Fulpmes sahen aus wie Spielzeug, die Straßen wie dünne graue Bänder. Und die Berge! Die Stubaier Alpen erhoben sich rings um uns, mächtig und doch irgendwie greifbar nah.
Was vom Flug bleibt: Mehr als nur Bilder
Thomas lenkte uns in weiten Kreisen über das Tal. Ich konnte die Schlick 2000 Bergstation sehen, von der wir gestartet waren – ein winziger Punkt am Hang. Wanderer auf den Wegen sahen aus wie Ameisen. Ein Greifvogel kreiste unter uns. UNTER uns! Ich lachte laut auf.
"Schau mal nach links", sagte Thomas. Der Stubaier Gletscher glänzte in der Sonne, ein weißer Riese zwischen den dunklen Felswänden. Ich hatte ihn schon so oft vom Tal aus gesehen, aber das hier war etwas völlig anderes. Aus der Vogelperspektive erkannte ich erst die wahren Dimensionen, sah die Gletscherspalten, die Moränen, die ganzen Zusammenhänge der Landschaft.
Nach etwa 20 Minuten deutete Thomas nach unten. "Wir gehen runter." Schade, dachte ich. Könnte ewig so weiterfliegen. Die Landung kam sanft, fast unmerklich. Meine Füße berührten das Gras, ich machte zwei, drei Schritte, und schon standen wir wieder fest auf dem Boden.
Während Thomas den Schirm zusammenpackte, saß ich im Gras und starrte hinauf zum Kreuzjoch. Hatte ich das gerade wirklich gemacht? War ich tatsächlich da oben gewesen?
Seitdem sind drei Wochen vergangen. Jeden Tag denke ich an diesen Moment, als der Boden unter meinen Füßen verschwand. Wenn ich jetzt in Innsbruck aus dem Fenster schaue und die Berge sehe, weiß ich, wie es sich anfühlt, zwischen ihnen zu schweben. Ich habe Screenshots von der Buchungsseite gemacht und schaue sie mir immer wieder an.
Letzte Woche war ich wieder in Fulpmes wandern. Als ich einen Gleitschirm über mir sah, musste ich grinsen. Ich weiß jetzt, wie sich die Person dort oben fühlt. Dieses Kribbeln im Bauch, wenn man realisiert, dass zwischen einem und dem Boden nur Luft ist. Die Demut vor der gewaltigen Bergwelt. Und diese seltsame Ruhe, die einen überkommt, wenn man einfach nur gleitet und die Welt aus der Vogelperspektive betrachtet.
Meine Kollegin meinte neulich, ich hätte mich verändert seit dem Flug. Vielleicht hat sie recht. Wenn man einmal gesehen hat, wie klein die eigenen Alltagssorgen von oben aussehen, relativiert sich manches. Ich habe mir fest vorgenommen: Das war nicht mein letzter Tandemflug. Beim nächsten Mal nehme ich mir vor, die Augen keine Sekunde zu schließen. Auch nicht beim Start.