Tandemflug Kössen: Mein Erlebnis mit 89 kg Passagiergewicht

Erlebe einen Tandemflug in Kössen mit 89 kg Passagiergewicht. Sandra teilt ihre Erfahrungen über Gleitschirmfliegen und das optimale Gewicht für Paragliding in Tirol.

Tandemflug Kössen - der Kaiserwinkl mit Wildem Kaiser

Mein Tandemflug in Kössen mit 89 Kilo

Eigentlich wollte ich nur eine Woche Bergluft schnuppern. Als Wienerin zieht es mich regelmäßig in die Tiroler Berge, und dieses Mal hatte ich mir Kössen im Kaiserwinkl ausgesucht. Die Pension lag perfekt mit Blick auf den Wilden Kaiser, und ich genoss meine morgendliche Tasse Kaffee auf dem Balkon, als ich ihn sah – einen bunten Gleitschirm, der elegant über dem Tal schwebte.
Ich beobachtete fasziniert, wie der Schirm seine Kreise zog, mal höher stieg, mal tiefer sank, und schließlich sanft auf einer Wiese landete. Spontan griff ich zu meinem Smartphone und googelte "Tandemflug Kössen". Die erste Seite, die auftauchte, war tandem-paragliding.center. Während ich durch die Bilder scrollte, wurde mir bewusst, dass ich das schon immer mal machen wollte.
Aber dann kam der Dämpfer. Bei den Buchungsinformationen stand deutlich: Maximalgewicht 100 Kilogramm. Ich seufzte. Mit meinen 89 Kilo war ich zwar drunter, aber nicht mehr weit davon entfernt. Die letzten Jahre im Büro und zu viele Sachertorten hatten ihre Spuren hinterlassen. Trotzdem – oder gerade deswegen – klickte ich auf "Jetzt buchen".
Die Buchung auf /fluggebiete/at/tirol/koessen/koessen war erstaunlich unkompliziert. Noch vom Balkon aus füllte ich das Formular aus, gab mein Gewicht ehrlich an und wählte den nächsten Tag, 10 Uhr morgens. Die Bestätigung kam sofort per SMS.
Am nächsten Morgen war ich aufgeregt wie ein Teenager. Am Treffpunkt wartete bereits mein Pilot Thomas, ein drahtiger Tiroler Mitte 40, der mich mit einem breiten Grinsen begrüßte. "Sandra aus Wien? Super, dass du da bist!" Er erklärte mir, dass mein Gewicht überhaupt kein Problem sei. "Weißt du, die meisten Leute machen sich viel zu viele Gedanken darüber. Mit 89 Kilo bist du im perfekten Bereich. Ich hatte schon Passagiere mit 99 Kilo – die Grenze ist aus Sicherheitsgründen bei 100, aber bis dahin ist alles völlig entspannt."
Die Fahrt mit dem Shuttle hinauf zum Startplatz Unterberghorn dauerte etwa 20 Minuten. Je höher wir kamen, desto spektakulärer wurde die Aussicht. Der Wilde Kaiser thronte majestätisch über dem Tal, und der Walchsee glitzerte türkisblau in der Morgensonne. Thomas erzählte währenddessen von den Thermikbedingungen und dass wir perfektes Flugwetter hätten.
Oben angekommen, half er mir in den Gurt. "Der ist übrigens für Passagiere bis 100 Kilo ausgelegt und getestet", meinte er, als er die Schnallen kontrollierte. "Du hast also noch ordentlich Luft nach oben." Seine lockere Art nahm mir die letzte Nervosität.
Das Startgelände war eine sanft abfallende Wiese. Thomas breitete den Schirm hinter uns aus und erklärte mir die drei wichtigsten Dinge: "Wenn ich 'Laufen' sage, rennst du einfach geradeaus los. Nicht stehen bleiben, nicht nach unten schauen, einfach laufen. Der Rest passiert von allein."
Mein Herz klopfte bis zum Hals, als er das Kommando gab. Ich rannte los, spürte, wie der Schirm uns nach oben zog, und plötzlich – waren meine Füße in der Luft. Keine ruckartige Bewegung, kein Ruck, nur ein sanftes Abheben. Ich saß bequem im Gurt, die Beine baumelten entspannt, und unter mir breitete sich der gesamte Kaiserwinkl aus.
Die nächsten 20 Minuten waren pure Magie. Thomas steuerte uns in eine Thermik, und wir stiegen höher und höher. "Siehst du", rief er mir zu, "dein Gewicht ist sogar ein Vorteil bei dem Wind heute. Wir haben eine super Stabilität!" Tatsächlich fühlte sich alles ruhig und sicher an. Keine Turbulenzen, kein Wackeln, nur sanftes Gleiten.
Unter uns zogen die Almwiesen vorbei, winzige Kühe grasten friedlich, und die Wanderer auf den Wegen sahen aus wie Ameisen. Thomas zeigte mir Kufstein in der Ferne, erklärte die verschiedenen Gipfel des Wilden Kaisers und ließ mich sogar kurz selbst steuern. Mit den Bremsen in der Hand fühlte ich mich wie ein Vogel, der seine Flugbahn selbst bestimmt.
Die Zeit verging wie im Flug – wortwörtlich. Als Thomas meinte, wir müssten langsam zur Landung ansetzen, konnte ich es kaum glauben. Der Landeplatz kam näher, und ich machte mir kurz Sorgen, ob die Landung bei meinem Gewicht härter werden würde. Aber Thomas beruhigte mich: "Alles gut, ich sage dir rechtzeitig, wann du die Beine nach vorne strecken sollst."
Die Landung war butterweich. Im letzten Moment streckte ich die Beine aus, wir setzten sanft auf, und ich stand wieder auf festem Boden. Meine Knie waren weich wie Pudding, aber nicht von der Landung, sondern von der Aufregung.
"Na, wie war's?", fragte Thomas grinsend, während er den Schirm zusammenpackte. Ich konnte nur strahlen. Das Gewicht, über das ich mir so viele Gedanken gemacht hatte, war während des gesamten Flugs kein einziges Mal ein Thema gewesen. Im Gegenteil – ich hatte mich sicher und gut aufgehoben gefühlt.
Zurück im Tal scrollte ich durch die Fotos, die Thomas während des Flugs gemacht hatte. Da hing ich in der Luft, mit einem Grinsen im Gesicht, das breiter nicht sein konnte. Im Hintergrund der Wilde Kaiser, unter mir das grüne Tal. Beim Abendessen in der Pension erzählte ich den anderen Gästen begeistert von meinem Flug. Eine Dame meinte seufzend, sie würde ja auch gerne, aber mit ihren 95 Kilo traue sie sich nicht. "Bis 100 Kilo ist es kein Problem!", versicherte ich ihr und zeigte ihr die Webseite auf meinem Handy.
Drei Tage später, an meinem letzten Urlaubstag, sah ich sie am Frühstückstisch. Sie strahlte übers ganze Gesicht: "Ich bin gestern geflogen! Du hattest recht – das Gewicht war überhaupt kein Thema!"
Wieder in Wien angekommen, ertappe ich mich oft dabei, wie ich zum Himmel schaue und nach Gleitschirmen Ausschau halte. Die Waage zeigt immer noch 89 Kilo, aber das stört mich nicht mehr. Ich weiß jetzt, dass ich fliegen kann – genau so, wie ich bin.
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