Tandemflug Söll im Herbst: Maria erlebt Paragliding an der Hohen Salve

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Tandemflug Söll - Hohe Salve

Tandemflug Söll: Maria erlebt den Herbst an der Hohen Salve

Eigentlich war ich nur zum Wandern nach Söll gekommen. Ende September, dieses spezielle Licht, wenn die Lärchen anfangen, golden zu werden, und die Luft schon nach Winter riecht, aber die Sonne noch warm auf der Haut liegt. Ich bin allein gereist, wie so oft in den letzten Jahren – mit fünfundfünfzig hat man gelernt, dass man auf niemanden warten muss, um loszufahren.
Am zweiten Tag saß ich auf einer Bank oberhalb des Dorfes, mein Kaffee wurde kalt, weil ich den Blick nicht von einem knallroten Gleitschirm nehmen konnte, der lautlos über das Tal zog. Er kreiste, verschwand hinter einem Bergrücken, tauchte wieder auf. Ich weiß noch, wie ich dachte: Das schaut so ruhig aus. Nicht spektakulär im Sinne von wild, sondern fast schwebend, wie ein großer Vogel, der keine Eile hat.
Ich habe mein Handy gezückt und einfach "Gleitschirmfliegen Söll" gegoogelt, mitten auf der Bank, noch mit kaltem Kaffee in der Hand. So bin ich auf die Seite von Tandem-Paragliding gestoßen. Die Beschreibung des Fluggebiets hat mich sofort gepackt – die Hohe Salve, die Wilde Kaiser Arena, das Kaisergebirge im Hintergrund. Ich habe mir gedacht, wenn ich schon hier bin, dann jetzt. Ein paar Klicks später hatte ich den Flug auf /fluggebiete/at/tirol/soell/hohe-salve gebucht, noch bevor ich mir die Sache großartig überlegen konnte. Manchmal ist das besser so.

Der Moment vor dem Tandemflug

Am nächsten Morgen bin ich mit der Gondel hochgefahren, allein, mit einer Mischung aus Vorfreude und diesem leisen Ziehen im Magen, das ich von früher kenne, vor Prüfungen oder wichtigen Gesprächen. Oben wartete mein Pilot, ein Tiroler mit ruhiger Stimme, der mich erst mal nichts fragte außer meinem Gewicht – man muss unter hundert Kilo bleiben, das hatte ich vorher schon gelesen, aber es war trotzdem ein kurzer, fast komischer Moment, sich auf die Waage zu stellen wie beim Arzt.
Er hat mir den Gurt angelegt, alles routiniert, aber nicht hektisch. Ich erinnere mich an den Geruch von Nylon und kalter Bergluft, an das Rascheln des Schirms, der am Boden ausgebreitet wurde, während unten im Tal Söll wie ein Spielzeugdorf lag. Die Hohe Salve stand hinter uns, dieser markante Gipfel, den man von überall in der Region sieht, fast wie ein Fixpunkt. Ich habe mich noch einmal umgedreht, das Kaisergebirge im Blick, und gedacht: egal was jetzt passiert, dieser Ausblick allein war die Fahrt hoch schon wert.

Als der Flug über der Hohen Salve begann

Der Start war weniger dramatisch, als ich erwartet hatte. Ein paar schnelle Schritte, mein Pilot rief "und jetzt", und dann kippte der Boden einfach weg, ohne Ruck, ohne dieses Gefühl des Fallens, das ich fürchtete. Stattdessen: Stille. Nur der Wind an den Ohren und das leise Flattern des Schirms über mir.
Ich hatte gedacht, ich würde mich festkrallen wollen, aber meine Hände lagen ruhig in meinem Schoß, während wir über die herbstlichen Wälder glitten. Von oben sah ich, wie die Farben sich verändert hatten – nicht mehr das satte Sommergrün, sondern dieses Mosaik aus Rostrot, Ocker und dunklem Tannengrün, das sich über die Hänge zog. Die Wilde Kaiser Arena lag vor uns ausgebreitet, schroffe Felswände, die im späten Vormittagslicht fast violett schimmerten.
Mein Pilot hat ein paar sanfte Kurven geflogen, mal näher an den Fels heran, mal weit hinaus über das Tal, sodass ich Söll von oben sehen konnte, die Kirche, die Straßen, winzige Autos, die sich durch die Kurven schlängelten. Einmal hat er den Schirm etwas steiler gelegt, und für einen Moment spürte ich diesen Zug im Bauch, den ich sonst nur von Achterbahnen kenne, aber hier war er anders – nicht angsteinflößend, eher wie ein kurzer Atemzug, der einen wacher macht. Die kühle Herbstluft strich mir um die Wangen, und irgendwann habe ich einfach aufgehört, an irgendetwas zu denken. Kein Terminkalender, keine Gedanken an Wien, nur dieses Jetzt, tausend Meter über dem Kaisergebirge.

Was vom Tandemflug blieb

Die Landung kam schneller, als mir lieb war. Ein paar weiche Schritte auf einer Wiese unterhalb des Dorfes, und schon stand ich wieder mit beiden Beinen auf der Erde, während der Schirm hinter mir langsam zu Boden sank. Mein Pilot hat gelacht und gefragt, wie es war, und ich glaube, ich habe nur genickt, weil mir gerade keine Worte eingefallen sind, die dem gerecht geworden wären.
Was mir am meisten geblieben ist, war nicht der Adrenalinschub, den ich vielleicht erwartet hatte, sondern dieses Gefühl von Weite. Der Blick auf die Hohe Salve von oben, das Wissen, dass ich diesen Moment ganz für mich hatte, ohne jemanden, dem ich etwas erklären oder mit dem ich mich abstimmen musste. Ich bin am selben Nachmittag noch einmal auf die Bank oberhalb des Dorfes zurückgegangen, mit einem neuen Kaffee, und habe zugesehen, wie andere Schirme über das Tal zogen. Diesmal wusste ich, wie sich das von oben anfühlt – die kühle Herbstluft, die Farben der Wälder, und dieses seltsam ruhige Gefühl, für ein paar Minuten einfach nur zu schweben, ohne irgendwo hin zu müssen.
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