Tandempilot in Innsbruck: Hannahs spontaner Gleitschirmflug
Tandemflug Innsbruck: Hannah (35) erlebt ihren ersten Tandempilot über der Nordkette. Lesen Sie ihren authentischen Erfahrungsbericht über Gleitschirmfliegen in Innsbruck.

Tandempilot in Innsbruck: Hannahs spontaner Gleitschirmflug
Eigentlich wollte ich an diesem Mittwochnachmittag nur kurz aus dem Büro raus, einen Kaffee am Marktplatz trinken und die Sonne genießen. Ich wohne mitten in Innsbruck, in einer kleinen Wohnung im Saggen, und manchmal vergisst man ja, wie schön die eigene Stadt ist, wenn man sie jeden Tag sieht. Vielleicht lag es an diesem speziellen Licht über der Nordkette oder einfach daran, dass ich zum ersten Mal seit Wochen wieder Zeit für mich hatte – jedenfalls saß ich auf dieser Bank, schaute hoch zum Hafelekar und sah plötzlich diese kleinen bunten Punkte am Himmel kreisen.
Gleitschirme. Drei, vier, fünf Stück. Und einer kam ziemlich nah über die Altstadt geflogen, so dass ich sogar die Linien zwischen Schirm und Pilot erkennen konnte. Ich bin 35, lebe seit über zehn Jahren in dieser Stadt, und ich hatte noch nie wirklich darüber nachgedacht, selbst mal da oben zu sein.
Wie ich spontan einen Tandemflug gebucht habe
Ich weiß nicht, warum, aber ich habe mein Handy rausgeholt und einfach "Tandemflug Innsbruck Nordkette" gegoogelt. Der erste Treffer, den ich angeklickt habe, war tandem-paragliding.center. Die Seite war schnell, übersichtlich, keine nervigen Pop-ups – und ich bin direkt bei der Seite für [Innsbruck](https://tandem-paragliding.center/fluggebiete/at/tirol/innsbruck/innsbruck-nordkette) gelandet. Da stand alles drin, was ich wissen wollte: Treffpunkt, Dauer, Preis, dass das Maximalgewicht für Passagiere bei 100 kg liegt, und sogar Bilder von der Strecke, die man fliegt.
Ich habe zwei Minuten gezögert, mir gedacht "Wann sonst, wenn nicht jetzt", und den Flug einfach direkt über /fluggebiete/at/tirol/innsbruck/innsbruck-nordkette gebucht. Auf dem Smartphone, ohne PC, ohne lange Überlegung. Termin: übermorgen, 10 Uhr Vormittag. Die Bestätigung kam Sekunden später per Mail.
In den zwei Tagen danach habe ich Kolleginnen erzählt, was ich gemacht habe, und alle haben mich angeschaut, als hätte ich beschlossen, den Mount Everest zu besteigen. Eine meinte, sie würde das nie machen. Eine andere fragte, ob ich Angst hätte. Hatte ich eigentlich nicht. Erst am Abend vor dem Flug, im Bett, kam plötzlich dieses Kribbeln. Aber kein schlechtes – eher die Art von Aufregung, die man früher vor Klassenfahrten hatte.
Der Tandempilot und der Aufstieg zur Nordkette
Am Donnerstag dann mit der Hungerburgbahn rauf. Schon die Fahrt selbst ist ja eigentlich schon ein kleines Erlebnis – diese Architektur von Zaha Hadid, das gleitende Hochfahren über der Stadt. Mein Tandempilot hatte mir am Vorabend eine kurze Nachricht geschickt, wo genau wir uns treffen, und stand pünktlich oben am Treffpunkt. Markus hieß er. Mitte vierzig vielleicht, ruhige Stimme, sehr präzise in dem, was er sagt, aber überhaupt nicht abgehoben oder cool-machend. Er hat mir kurz erklärt, was passiert, was ich machen soll, was ich auf keinen Fall machen soll, und dann das Gurtzeug angelegt.
Was mir aufgefallen ist: Wie selbstverständlich er mit seinem Material umgegangen ist. Jeder Karabiner wurde geprüft, jede Leine geordnet. Ich hatte zu keiner Sekunde das Gefühl, dass irgendetwas auf gut Glück läuft. Das war für mich, ehrlich gesagt, das Entscheidende. Ich bin niemand, der sich blind irgendwem ausliefert. Aber bei ihm habe ich gemerkt – der macht das nicht zum ersten Mal, und der mag das, was er tut.
Der Start war kürzer, als ich dachte. Markus hat "Laufen, laufen, laufen" gesagt, ich bin losgesprintet, und nach vielleicht sechs, sieben Schritten waren meine Füße einfach in der Luft. Kein Sprung, kein Ruck. Es hat sich angefühlt, als hätte mich jemand sanft nach oben gehoben.
Über Innsbruck schweben – was vom Flug bleibt
Und dann diese Stille. Das ist das, was ich vorher nicht erwartet hatte. Man denkt ja immer, oben pfeift einem der Wind um die Ohren. Aber wenn man erstmal kreist und thermisch oben bleibt, hört man nur ganz leise das Rauschen der Leinen und vielleicht ab und zu eine Krähe.
Unter mir lag Innsbruck wie ein winziges Architekturmodell. Ich konnte die Maria-Theresien-Straße erkennen, die Annasäule, das Goldene Dachl als kleinen glitzernden Punkt. Der Inn als grünes Band, das sich durch das Tal zieht. Im Norden die schroffen Felsen der Nordkette, im Süden die sanfteren Hänge zum Patscherkofel hin. Ich wohne in dieser Stadt, ich kenne jede Straße – aber von hier oben war alles neu.
Markus hat zwischendurch Fotos gemacht mit einer Kamera, die er an einem Stock am Gurtzeug befestigt hatte. Er hat ein paar weichere Kurven geflogen, hat mich gefragt, ob ich mehr will, ich habe ja gesagt, und dann hat er den Schirm einmal richtig schön in die Kurve gelegt. Das war der Moment, in dem ich tatsächlich kurz aufgelacht habe wie ein Kind.
Die Landung nach dem Tandemflug und der lange Heimweg
Die Landung selbst war erstaunlich unspektakulär. Markus hat mir vorher genau gesagt, was ich tun soll – Beine ausstrecken, kurz vor dem Boden aufstehen, mitlaufen. Und genau so war es dann. Zwei Schritte, und ich stand wieder auf der Wiese im Tal, als wäre nichts gewesen.
Ich bin danach zu Fuß zurück in die Stadt gelaufen, obwohl ich auch den Bus hätte nehmen können. Ich brauchte einfach diese halbe Stunde, um das alles sacken zu lassen. Im Café am Marktplatz, wo das Ganze angefangen hatte, habe ich mich wieder hingesetzt und nach oben geschaut. Da kreiste tatsächlich wieder ein bunter Punkt überm Hafelekar. Und ich wusste: Da war ich vor drei Stunden noch.
Ich werde das nochmal machen. Vielleicht im Herbst, wenn die Lärchen unten gelb sind und die Berge schon weiße Spitzen haben. Dann buche ich wieder direkt übers Handy, wie beim ersten Mal.